Mango Ratnagiri 2010 058

Mangobaum

Wenn Tradition Früchte trägt

Seit über 85 Jahren steht Beutelsbacher für Qualität und Geschmack im Glas. Dabei setzt das Familienunternehmen, geführt in der dritten Generation, seit 1951 auch auf Frucht- und Gemüsesäfte in Demeter Qualität. Im Austausch berichtet Thomas Maier, Geschäftsführer der Beutelsbacher Fruchtsaftkelterei GmbH, über die Herausforderungen des biologisch-dynamischen Anbaus und warum er von Mangos träumt.

01.05.2024 Daniela Dudli

Die heute bekannten Beutelsbacher Fruchtsäfte haben ihren Ursprung in der 1936 gegründeten Süssmostkelterei in Beutelsbach, im deutschen Remstal. «Schon mein Grossvater förderte damals den Obstanbau in der Region und pflanzte 4000 rote und 7000 schwarze Johannisbeersträucher.» lächelt Thomas Maier. Auch Erdbeeren, Himbeeren und Quitten gediehen in dieser von Boden und Klima bevorzugten Landschaft Württembergs.

Bereits 1951 stellten seine Vorfahren die betriebseigenen Obstanlagen auf die biologisch-dynamische Anbaumethode um. Doch der Verkauf in den 60er Jahren lief schleppend. «Oft mussten wir die Fruchtsäfte als konventionelle Produkte verkaufen und damit eine wirtschaftliche Einbusse in Kauf nehmen. Das Bewusstsein für biologisch-dynamischen Anbau und die damit verbundene Erkenntnis, dass die Rohstoffe auf der Welt endlich sind, entwickelte sich erst zunehmends in den 90er Jahren.» Heute wird die Beutelsbacher Fruchtsaftkelterei von den Brüdern Thomas und Matthias Maier in der dritten Generation als modernes Familienunternehmen geführt und konzentriert sich ausschliesslich auf die Produktion. Die schwarzen Johannisbeeren, aufgrund ihres hohen Vitamin C Gehalts auch «das schwarze Gold» genannt, beziehen sie noch heute aus der Region.

Aus Indien direkt in die Flasche

Die Mangos im Beutelsbacher Apfel-Mango Saft stammen alle aus Indien, genauer gesagt von einer biologisch-dynamischen Kooperation, 100km östlich von Mumbai. «Als ich 1988 nach dem Studium nach Asien reiste, entdeckte ich erstmals den intensiven Geschmack der Alphonso Mango. Die fruchtbare Vulkanerde und das feuchte Klima lassen sie an mächtigen Bäumen wild wachsen. Aufgrund ihrer langen Fasern ist die Sorte jedoch bei Europäern für den Direktverzehr weniger beliebt.» Thomas Maier wusste sofort: Er wollte die Mango in einen seiner Fruchtsäfte verwandeln! Zu Beginn gestaltete sich der Aufbau des biologisch-dynamischen Anbaus in Indien als Herausforderung: «Wir hatten einige kulturelle Hürden zu überwinden und mussten erst mal das Bewusstsein für nachhaltigen Anbau und biologische Dünger bei den lokalen Landwirt:innen schärfen.» Anfangs wurden die Mangos noch in Dosen importiert bevor man dann dank der Technik der aseptischen Fassabfüllung die Mangos in 200 Liter Fässern als Direktsaft und ohne vorherige Konzentrierung auf den Weg nach Deutschland schickte. «Unser Apfel-Mango Saft enthält 27% Mango und war der erste in Europa! Die Rezeptur habe ich selbst entwickelt – es ist bis heute mein Lieblingssaft» freut sich Maier.

An den sonnigen Hängen des Piemont

Die Traubensorte «Barbera» für Beutelsbachers roten Traubensaft wird seit 1975 an den Südhängen des sonnigen Piemont angebaut. «Zu der italienischen Familie Brezza pflegen wir seit Jahren ein grossartiges Verhältnis, ich besuche sie einmal im Jahr.» Obwohl die Familie mit dem Traubenverkauf an Weinhändler deutlich höhere Preise erzielt, verkaufen sie mindestens 25’000 kg der jährlichen Ernte an Beutelsbacher, dessen Fruchtsaftkelterei die Trauben zu alkoholfreiem Traubensaft verarbeitet. «Unsere Einkaufspreise orientieren sich stark an den Weinpreisen. Es überrascht mich zu sehen, dass Konsument:innen bereit sind, für Wein mehr zu bezahlen als für Fruchtsäfte, ist doch unser Herstellungsprozess wesentlich komplexer als die Weinherstellung.»

Aber auch die Natur stellt Beutelsbacher immer wieder vor Herausforderungen: So macht zurzeit die Kirschessigfliege den Holundersträuchern das Leben schwer. Der in Südostasien beheimatete Schädling wartet, bis das Obst kurz vor der Reife steht und macht sich über die Früchte her. Einmal befallen, schmecken die Früchte nur noch nach Essig und können nicht mehr verwertet werden. «Die Forschung arbeitet an einer Lösung, welche den biologisch-dynamischen Anbau unterstützt.»